Heimbeatmung in der ambulanten Pflege

 

Eine Information für Betroffene und deren Angehörige

Schriftliche Abschlußarbeit

 

verfasst von Gesa Kraft

 

Seitenende    Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

Die Atmung: = Einatmen und Ausatmen, ein lebenswichtiger Vorgang, der rund um die Uhr vom menschlichen Körper meist unbewusst (passiv) erbracht wird.

An jedem Atemzug sind mehrere Muskeln, das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln, beteiligt, die Atemluft in die Lungen zu ziehen.

Das Zwerchfell bewegt sich nach unten und die Zwischenrippenmuskulatur hebt die Rippen , so vergrößert sich der Brustraum, die Lungen können sich ausdehnen, um ausreichend Atemluft aufzunehmen.

Die Lungen dienen mit ihren Lungenbläschen als Austauschfläche der Sauerstoffaufnahme und der Kohlendioxidabgabe. Sauerstoff (O2) wird vom Blut aufgenommen und an die roten Blutkörperchen gebunden transportiert. Wenn alle Blutkörperchen mit Sauerstoff beladen sind, spricht man von einer Sauerstoffsättigung im Blut, die normal bei 93 – 96 % liegt. Diese Werte werden durch eine Untersuchung beim Arzt getestet.

Verschiedene Erkrankungen bei denen nicht genug Sauerstoff mit der Einatmung aufgenommen wird, führen zur Minderbelüftung der Lungen verbunden mit Sauerstoffmangel im Blut.

Hier spricht man von der Hypoventilation, die so ausgeprägt sein kann, daß ein Mensch nur mit technischer Atemhilfe genug Atemluft und somit ausreichend Sauerstoff aufnehmen kann.

Diese technische Atemhilfe wird auf der Intensivstation im Krankenhaus gegeben. Einige Menschen können ohne diese Atemhilfe gar nicht mehr oder nur bedingt atmen, das heißt, sie müßten immer im Krankenhaus oder in einem speziellen Pflegeheim leben.

Dann betrübt die Vorstellung, behindert zu sein, weil man auf eine Maschine angewiesen ist, die Menschen sehr. Sie leben in der Angst, ein selbstbestimmtes Leben nicht mehr führen zu können.

Für Langzeitbeatmete gibt es aber durchaus die Möglichkeit, diese Therapie in den eigenen vier Wänden mit Hilfe von Pflegekräften und Angehörigen durchzuführen, die sogenannte Heimbeatmung.

Einleitung

Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich viele Jahre langzeitbeatmete Patienten auf einer Intensivstation im Krankenhaus betreut und versorgt habe.

In den Jahren habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, ob es für einige von diesen Patienten nicht eine Möglichkeit gibt, auch zu Hause durch fachkompetentes Pflegepersonal versorgt zu werden.

In den eigenen vier Wänden, trotz der Behinderung , mit Hilfe der Angehörigen ein selbstständiges Leben zu führen.

Ich habe mich auf die Suche nach Möglichkeiten und Voraussetzungen gemacht ,die angeboten werden und für eine Heimbeatmung erforderlich sind.

Da in der häuslichen Pflege und ganz besonders in der Heimbeatmung der finanzielle Aspekt eine große Rolle spielt, habe ich mich bei der Pflegekasse und den Krankenkassen über die Finanzierungsmöglichkeiten dieser Therapie erkundigt.

Außerdem habe ich in Gesetzestexten, u.a. im SGB V und SGB XI gelesen, um auch über die rechtliche Situation informiert zu sein.

Mit dieser Arbeit möchte ich Betroffene und deren Angehörige auf die Möglichkeit der Heimbeatmung hinweisen und ihnen Mut und Unterstützung bei dieser Entscheidung geben.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was versteht man unter Heimbeatmung

  3. Die Heimbeatmung in ihrer Entwicklung

3.1 Geschichte

3.2 Heutige Möglichkeiten

4. Das Ziel der Heimbeatmung

5. Wann wird zu einer Heimbeatmung geraten

6.Vorbereitung von Betroffenen und Angehörigen

7. Ausstattung eines Heimbeatmungsplatzes:

8. Praktische Durchführung einer Heimbeatmung

9. Wie hoch ist der Pflegeaufwand bei der Heimbeatmung

10. Qualifikation der Pflegenden

11. Hausärztliche Versorgung eines Beatmeten:

12. Anforderung an den Gerätehersteller

13. Finanzierungsmöglichkeiten der häuslichen Beatmungspflege

14. Zusammenfassung

15. Literaturnachweis

 

2. Was versteht man unter Heimbeatmung?

Eine Heimbeatmung ist eine Beatmung außerhalb einer Intensivstation, also entweder zu Hause, oder in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung.

Heimbeatmung bedeutet, daß aus verschiedenen Gründen eine längerdauernde Beatmung notwendig ist. Diese Beatmung muß nicht ganztägig erfolgen. Viele Betroffene führen diese Therapie der Beatmung nur nachts durch. Nur in schweren Ausnahmefällen ist eine 24 Stunden Beatmung erforderlich.

Diese Heimbeatmung kann von den Betroffenen selbständig durchgeführt werden., mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes in der Nähe.

Die Heimbeatmungstherapie muß in einem Beatmungszentrum eingeleitet werden, damit Betroffene und deren Angehörige gut informiert sind. Im Krankenhaus Großhansdorf ist so ein Heimbeatmungszentrum eingerichtet worden.

3. Die Heimbeatmung in ihrer Entwicklung

3.1 Geschichte

In den zwanziger Jahren, während derPoliomyelitisepidemie(Kinderlähmung) in den USA schuf Philip Drinker die „eiserne Lunge".Sie ermöglichte einigen Erkrankten,deren Atemmuskulatur versagte, ein Überleben.

In den fünfziger Jahren brach eine Poliomyelitisepidemie über Europa ein und die bis dahin immer weiter entwickelte positive Überdruckbeatmung,bei der mit Hilfe einer Maschine Atemluft in die Lunge gedrückt wurde, verbesserte die Überlebenschance bei schwer Erkrankten erheblich.

Etwa zur gleichen Zeit wurden wegen der schon damals hohen stationären Kosten mehr und mehr Beatmete nach Hause verlegt.

So entstand damals die erste Heimbeatmung und es erwies sich, daß diese Art der Therapie nicht nur kostengünstiger war, sondern auch ganz erheblich zur Steigerung der Lebensqualität des Betroffenen beitrug. Diese Beatmung wurde damals noch über einen Luftröhrenschnitt durchgeführt.

Anfang der achtziger Jahre wurde dann die Beatmung über angepaßte Nasenmasken möglich.

3.2 Heutige Möglichkeiten

Die Weiterentwicklung dauert bis zur heutigen Zeit an, die Geräte die zur Heimbeatmung entwickelt wurden sind inzwischen so klein und handlich, außerdem von technischer Seite einfach zu handhaben, sodaß eine Beatmung zu Hause noch leichter durchführbar geworden ist.

Ein Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) ist heute in den meisten Fällen nicht mehr nötig, da eine Beatmung durch individuell angepaßte Nasenmasken

Genauso effektiv ist. Diese Therapie kann vom Patienten selbständig durchgeführt werden.

4. Das Ziel der Heimbeatmung

Die Lebensqualität des Betroffenen und seiner Angehörigen soll verbessert werden.

Der Betroffene bekommt die Chance, seine noch vorhandenen Ressourcen zu entfalten.

Die Atemfunktion und der körperliche Allgemeinzustand soll gebessert bzw. stabilisiert werden.

Eine gewünschte Lebensverlängerung wird angestrebt.

Die Klinikaufenthalte sollen reduziert werden und Infekte, die durch Krankenhauserreger hervorgerufen verhindert werden.

5. Wann wird zu einer Heimbeatmung geraten?

Allen Patienten, die an einer chronischen Hypoventilation leiden,kann diese Therapiemöglichkeit gegeben werden Eine Hypoventilation nennt man eine zu geringe Belüftung der Lunge durch verminderte Atemtätigkeit. Der Gasaustausch in den Lungenbläschen wird verschlechtert. Die Sauerstoffaufnahme ist verringert und die Kohlendioxidmenge im Blut erhöht sich und hemmt den Atemantrieb im Atemzentrum. Verschiedenen Merkmale weisen auf eine Hypoventilation hin:

Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Leistungsabfall, Gedächtnisstörung,

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Zyanosen (Blaufärbung) und häufig auftretende Infekte der Atemwege.

Ursachen einer Hypoventilation,bei gesunden Lungen können verschiedene Erkrankungen sein

5.1 Mechanische Störungen wie:

z.B. knöcherne Verformung der Wirbelsäule oder des Brustkorbes sein, die die Beweglichkeit des Brustraumes einschränken und somit die Ausdehnungsmöglichkeit der Lunge verringern so kann nicht genug Einatmungsluft aufgenommen werden.

5.2 Neuromuskuläre Störungen:

Das Zusammenwirken von Nerven und Muskeln ist hierbei gestört. Es kommt zur Schwächung der Atemmuskulatur, z.B. des Zwerchfelles. Der Brustraum kann durch die verminderte Muskelarbeit nicht mehr ausreichend gedehnt werden und somit kann sich auch hier die Lunge nicht mehr entfalten. Diese

Störung tritt auf bei der amyotrophen Lateralsklerose, Spätschäden der Kinderlähmung oder Tetanus.

4.3 Zentralnervöse Störungen:

hervorgerufen durch einen Schlaganfall, eine Hirnblutung oder nach einer schweren Schädelverletzung, können ebenfalls zur Hypoventilation führen, wenn das Atemzentum im Gehirn geschädigt wurde. Der Atemantrieb wird nicht mehr reguliert und kann nachts unbewußt ausfallen .Es entstehen dann sehr lange Atempausen, die zur Verringerung des Sauerstoffes führen.

Bei erkrankten Lungen:

5.4 Lungenemphysem

hier handelt es sich um eine Überdehnung des Lungengewebes. Die Lungenbläschenwand verdünnt sich oder verschwindet ganz und verringert somit die Sauerstoffaufnahmefläche. Die Lunge ist minderbelüftet und mangeldurchblutet.

5.5 Chronisches Bronchialasthma:

eine auch weit verbreitete Erkrankung, die zur Minderbelüftung führt. Es kommt hierbei zu anfallsweise auftretender Atemnot, bedingt durch einen Krampf der Atemmuskulatur, durch Verlegung (Verstopfung) der Atemwege, durch entzündliche Schwellung der Schleimhaut in den Bronchien oder durch zähes Sekret. Bei dieser Erkrankung ist die Einatmung leicht, aber die Ausatmung erschwert. Der Betroffene hat Mühe, die verbrauchte Luft auszuatmen. Es bleibt zuviel Kohlendioxid im Blut und es kann zu wenig Sauerstoff aufgenommen werden.

6.Vorbereitung von Betroffenen und Angehörigen

Voraussetzung für eine Heimbeatmung ist, daß der Betroffene den Wunsch und die Bereitschaft zu einer Heimbeatmung wirklich glaubhaft äußert.

Der Betroffene und dessen pflegende Angehörige haben eine ausreichende, klärende Information über die Erkrankung, den Verlauf sowie die Risiken erhalten.

Die Lebensplanung des Patienten und der Angehörigen hat genügend Beachtung gefunden.

Die Angehörigen sind bereit, einen Großteil der Pflege zu übernehmen. Sie müßen aufgeklärt werden, welche Verantwortung sie für einen Beatmeten übernehmen.

Natürlich bestehen anfangs große Ängste bei den Betroffenen und den Angehörigen, außerhalb des Krankenhauses bzw. der Intensivstation mit den medizintechnischen Geräten zu leben.

Mit Hilfe von qualifiziertem Fachpersonal, flexiblen Ärzten und gut vorbereiteten Angehörigen können diese Ängste aber beseitigt werden.

So eine Vorbereitung und Beratung erfolgt in dem Beatmungszentrum, in dem sich der Betroffene zur Zeit befindet.

Hier bekommen sie einen sogenannten Heimbeatmungskoordinator zur Seite gestellt, der die Vorbereitung und Beratung in der Klinik und anschließend in der 1. Phase der Heimbeatmung übernimmt. Hierbei handelt es sich um Fachpflegekräfte mit Erfahrung in der Versorgung von Langzeitbeatmeten. Diese Pflegekräfte gibt es auch im ambulanten Pflegedienst.

Die Aufgaben des Heimbeatmungskoordinators sind:

Schulung der Betroffenen und der Angehörigen mit dem Schwerpunkt:

Pflege des Patienten z.B. Absaugen oder Tracheostomapflege

Bedienung und technisches Verständnis des Beatmungsgerätes

Pflege von Beatmungsgerät und Zubehör

Verhalten in Notfallsituationen

Beatmen mit dem Beatmungsbeutel (Ambubeutel)

Sicherstellung einer guten medizintechnischen Versorgung durch den Kundendienst der Geräteherstellerfirma

Sicherstellung einer ausreichenden medizinischen Versorgung durch den Hausarzt oder eines hinzugezogenen Spezialisten.

Einweisung des Hausarztes in die medizintechnische Versorgung des Betroffenen.

Diese Fachkraft steht in der ersten Phase der Beatmung unter häuslichen Bedingungen, sowie für die Langzeitbetreuung der Patienten und in evt. Krisensituationen zur Seite.

Für Betroffene und Angehörige wird es immer wieder einmal Phasen geben, in denen sie depressiv, hoffnungslos oder gar aggressiv werden. Während dieser Zeit werden dann Dritte, wie Selbsthilfegruppen, Gesrächskontakte oder Psychologen zur Hilfe gebeten. Auch für diese Unterstützung durch Dritte ist der Heimbeatmungskoordinator zuständig.

Weiterhin muß die Kostenübernahme vor der Entlassung in die Heimbeatmung abgeklärt sein, damit man durch ungeklärte Fragen nicht zusätzlich belastet ist.

Die pflegenden Angehörigen werden auch auf die Möglichkeit der Entlastung, durch z.B. Kurzzeitpflege oder Pflegeübernahme durch einen ambulanten Pflegedienst , die für 4 Wochen im Jahr genehmigt wird, hingewiesen. Eine Beatmung kann sich je nach Schweregrad und Verlauf der Erkrankung über viele Jahre hinziehen.

Trotz dieser hohen Anforderungen, sollten Betroffene und deren pflegende Angehörige auf die Vorteile der doch besseren Lebensqualität, auf die geringere Infektanfälligkeit und die verminderten Klinikaufenthalte hingewiesen werden.

Einen Ausweis, der auf die Beatmungstherapie zu Hause hinweist, erhalten Sie in dem Beatmungszentrum. Hier ist der Beatmungsgrund und die Beatmungsart und der Umfang der Therapie festgehalten. Diesen Ausweis sollten Sie zur eigenen Sicherheit immer bei sich führen.

Auch eine Beendigung der Heimbeatmung auf Wunsch des Betroffenen sollte besprochen werden. Betroffene und Angehörige müssen über diese Therapiebeendigung aufgeklärt werden und entscheiden, in wieweit der behandelnde Arzt mit Medikamenten aktiv werden darf.

Diese Entscheidung des Betroffenen sollte durch eine Patientenverfügung schriftlich niedergelegt sein. Den Versuch, Menschen in lebenswerte und lebensunwerte zu unterteilen und Normen hierfür zu erstellen, darf es nicht geben.

( Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke )

7. Ausstattung eines Heimbeatmungsplatzes:

Der Heimbeatmungskoordinator muß sich vor der Entlassung des Betroffenen ein Bild von den häuslichen Verhältnissen und der Hygiene machen.

Es ist anzustreben, die technische Ausstattung so einfach und bedienerfreundlich wie möglich zu gestalten, aber abhängig von dem Schweregrad und der Mobilität des Betroffenen.

Ein Pflegebett bei allen Patienten, die beatmet werden müssen und wenig Eigenleistung bringen können ist erforderlich, dazu eine spezielle Antidecubitusmatratze. Bei eingeschränkter Mobilität ist ein Rollstuhlnotwendig, denn auch ein Langzeitbeatmeter möchte nicht auf Dauer im Bett liegen.

Eine Notrufanlage, die der Patient jederzeit erreichen kann, gibt ihm und den Angehörigen Sicherheit. Diese ist mit dem Pflegedienst verbunden, der dann in Krisensituationen schnell anwesend ist.

Die sanitären Anlagen sollten so gebaut und gelegen sein, daß sie auch mit einem Rollstuhl leicht erreichbar und befahrbar sind. Eine Duschmöglichkeit ohne Hindernis wäre wünschenswert Ein rollstuhlgerechtes WC ermöglicht einen natürlichen Toilettengang.

Für die Heimbeatmung werden folgende Materialien benötigt:

Ein Heimbeatmungsgerät, mit Akkuvorrichtung für mobile Betroffene, und dazugehörige Testlunge

Ein Zweitbeatmungsgerät (Ersatz) ist je nach Schwere und Art der Erkrankung notwendig.

Ein Beatmungsbeutel mit passender Maske

2 komplette Beatmungsschlauchsysteme

Evtl. ein Luftbefeuchtungsgerät

Ein leistungsfähiges Absauggerät ebenfalls mit Akkuvorrichtung

Eine angepaßte Beatmungsmaske und Ersatzmaske

Reinigungsutensilien für das Schlauchsystem

Ein Inhalationsgerät mit Schlauchsystem, falls Spontanatmung möglich.

Eine Inhalationsvorrichtung für das Beatmungsgerät, wenn keine Spontanatmung möglich ist

Cuffmesser für Trachealkanülen (Ballondruckmesser

für Luftröhrenkanülen)

Zwei Trachealkanülen

Einen Luftröhrenspreizer evtl. erforderlich beim Kanülenwechsel

Diese Einwegmaterialien zur Versorgung des Beatmeten müssen zur Verfügung stehen und je nach Verbrauch aufgefüllt werden.

20 Klimatisierungsfilter

100 – 200 Absaugkatheter

5 Absaugansätze

100 sterile Mullkompressen (10x10cm)

1 Karton spezielle Schlitzkompressen (Metaline)

20 Fixierungsbänder für die Trachealkanüle

Einmalhandschuhe

Hautdesinfektionsmittel

Händedesinfektionsmittel

Dieser Bestand wird von dem Heimbeatmungskoordinator festgelegt und von Ihm oder von einer Pflegeperson, die durch ihn beauftragt wurde,.kontrolliert.

In der Regel ist Sauberkeit am Beatmungsplatz ausreichend und regelmäßige Desinfektion nicht erforderlich, beim Absaugen sind sterile Handschuhe nicht vorgeschrieben. Mit den unsterilen Latexhandschuhen, dient man mehr dem Eigenschutz des Absaugenden.

Der Beatmete ist an seine häuslichen Keime gewöhnt.

Abhängig ist dies aber immer von dem Allgemeinzustand des Betroffenen.

(Arbeitsgruppe Heim – und Langzeitbeatmung 1996 )

8. Praktische Durchführung einer Heimbeatmung

In die Heimbeatmung wird ein Betroffener erst entlassen, wenn er im Beatmungszentrum ohne krankhafte Werte über längere Zeit beobachtet wurde und keine kritischen Ereignisse zu erwarten sind.

8.1 Für die Durchführung der Heimbeatmung stehen heute

kleine, relativ leicht zu bedienende Beatmungsgeräte zur Verfügung

Die Geräte werden so ausgesucht, das sie den Bedürfnissen des Betroffenen und des Pflegenden entsprechen. Sie sind klein und handlich und können gut transportiert werden und gegebenenfalls auch an einen Rollstuhl befestigt werden. Sie sind einfach zu handhaben und zu betätigen. Die Grundeinstellung des Gerätes erfolgt in dem Beatmungszentrum und soll zu Hause auch nicht ohne ärztliche Anordnung verändert werden. Für die Betroffenen und die Pflegenden ist eigentlich nur der Ein – bzw. Ausschaltknopf relevant.

Alle Geräte sind mit Alarmfunktionen, die für entsprechende Sicherheit sorgen ausgestattet. Bei Batteriedefekt, Entladung des Gerätes, bei Undichtigkeit der Maske oder der Beatmungsschläuche geben sie ein hörbares Signal von sich.

Ebenso filtern sie die Einatmungsluft und können diese auch durch ein Zusatzgerät anfeuchten und erwärmen. (Im Anhang habe ich einige Bilder von gebräuchlichen Geräten zugefügt. )

8.2 Mit diesen Geräten sind verschiedene Beatmungsformen möglich:

Überdruckbeatmung (IPPV).

Das Gerät arbeitet volumenkontrolliert, es wird eingegeben, wieviel Liter Luft pro Atemzug in die Lunge gedrückt wird oder:

es arbeitet druckgesteuert, wobei der Patient eine Atembewegung macht und die Luft einzieht, hierbei unterstützt das Gerät mit einem vorher eingestellten Druck den Atemzug. Der Betroffene muß dann weniger Atemarbeit leisten.

CPAP: hierbei wird ein positiver Druck in den Atemwegen aufgebaut, d.h, es wird über eine Nasenmaske ein dauernd einwirkender positiver Druck in den oberen Atemwegen erzeugt, um die Atemwege offen zu halten. Es ist wie eine mechanische Schienung durch die Atemluft.

BiPAP ist eine spezielle Beatmungsform bei der Schlafapnoetherapie.Bi heißt zwei und bedeutet, daß ein geteielter Druck, in der Ein- und Ausatmung verschieden hoch, durch das Gerät aufgebaut wird. In der Einatmung wird meist ein höherer Druck benötigt, um die Atemwege offen zu halten, in der Ausatmung kann der Druck niedriger sein.. Diese Therapie ist aber nur sinnvoll, wenn unter CPAP Nebenwirkungen auftreten. Dies wird schon im Beatmungszentrum geprüft.

Unterdruckbeatmungen werden heute so selten durchgeführt, das ich sie aus Platzgründen nicht weiter erörtern möchte.

8.3 Beatmungszugänge unterscheidet man in nichtinvasiv (Maskenbeatmung)

und invasiv über das Tracheostoma (Luftröhrenschnitt).

Bei leichter bis mäßiger Einschränkung der Atemfunktion, sollte zunächst immer versucht werden, mit einer Maskenbeatmung zu beginnen. In der Gewöhnungsphase, wird während des Tages, stundenweise mit zunehmender Beatmungsdauer gestartet. Sind der Betroffene und die Pflegenden sicher in dem Umgang mit Maske und Gerät, kann die Therapie auf die Nachtstunden verlegt werden. Die Maskenbeatmung wird als sehr belastungsarme Beatmungsform gesehen. Die Symptome (Zeichen) der Atemstörung lassen sich schnell beseitigen, da durch diese Therapie der Sauerstoffgehalt im Blut wieder zunimmt und die geschwächte Atemmuskulatur sich während der Beatmungszeit gut erholen kann.

Die Masken können Nasenmasken, Mund- Nasenmasken oder nur Mundmasken sein. Sie werden in verschiedenen Größen hergestellt und individuell angepaßt.

Der Vorteil der Nasenmaske besteht darin, daß der Mund frei bleibt und der Betroffene sprechen husten und auch schlucken kann.

Diese Form der Maskenbeatmung ist tagsüber unproblematisch. Nachts aber, wenn die Gesichtsmuskulatur erschlafft und der Mund geöffnet wird, kommt es zur Leckage. Dies bedeutet Verlust der einströmenden Luft, weil die durch die Nase eingeleitete Luft teilweise aus dem Mund wieder entweicht. Eine ausreichende Beatmung ist dann nicht mehr gewährleistet.

Häufig muß der Verlust dann tagsüber beim Lesen oder Fernsehen aufgeholt werden, damit nicht erneut eine Atemstörung auftritt. Bei Berufstätigen ist dies dann schon ein Problem.

Anwendung findet häufig die sogenannte „ Münchner Atemmaske" die aus einem Nasen – und Mundstück mit Bißteil besteht.( Abbildung im Anhang) Diese wird individuell von einigen Zahnärzten angefertigt, sie ist gut hautverträglich. Der hohe Aufwand der Anfertigung wird aber durch das gute Beatmungsergebnis gerechtfertigt.

Die tägliche Beatmungsdauer über eine Maske ist stark von der Toleranz des Betroffenen abhängig. Beträgt die Beatmungsdauer täglich mehr als 16 – 20 Stunden, sollte zu einem invasiven Beatmungszugang geraten werden.

Kontraindikationen für eine Maskenbeatmung unter häuslichen Bedingungen sind:

Schwere Schluckstörungen mit Aspirationsgefahr (Verschlucken)

Schwere ausgeprägte Störungen des Bewußtseins, Demenz und andere psychische Störungen

Magen – und Darmgeschwüre, mit häufigem Aufstoßen und immer wieder auftretendem Erbrechen

Hier sollte die Maskenbeatmung erst wieder aufgenommen werden, wenn deren Behandlung erfolgreich beendet wurde.

Die häufigsten Nebenwirkungen bei der Therapie sind verstopfte Nasen, die als Reaktion auf den Luftstrom entstehen. Fast alle Patienten leiden am Anfang der Behandlung unter diesen Symptomen .Diese klingen aber eigentlich nach ca 4 Wochen wieder ab. Linderung bekommt man durch Nasensalbe, Kochsalzlösung oder Nasenspray. Auf lange Zeit sollten diese Medikamente aber nicht genommen werden, da sie zur Abhängigkeit führen können. Durch ein Zusatzgerät, daß die Atemluft anfeuchtet, können diese Nebenwirkungen ebenfalls beseitigt werden.

Nebenwirkungen im Mundbereich, entstehen häufig durch die Beatmungstherapie, wenn nachts im Schlaf der Mund geöffnet wird. Die Mundschleimhaut trocknet aus und es kommt zu Schluckbeschwerden. Durch ein Kinnhalteband oder eine Maske über Mund und Nase kann dies unterbunden werden.

Probleme mit den Augen, z.B. Bindehautentzündungen können durch eine schlecht sitzende oder undichte Maske entstehen. Hiebei sollte man den Sitz der Maske überprüfen lassen.

Druckstellen im Gesicht durch die Maske lassen sich durch lockern der Kopfhalterung oder durch Unterpolsterung z.B. durch Fensterleder beseitigen. Aber immer muß darauf geachtet werden, das keine Undichtigkeit entsteht. Ansonsten auch hier die Klinik befragen.

Bei Erkältung ist eine Anwendung der Nasenmaske meist problematisch. Abschwellende Mittel schaffen Erleichterung. Können Sie trotzdem nicht schlafen, oder Sie haben Schmerzen in der Nase oder in den Ohren, kann

das ein Hinweis auf eine Entzündung sein. Hier berät der Hausarzt.

Angstzustände mit Erstickungsanfällen werden von einigen Betroffenen ebenfalls entwickelt sobald sie eine Beatmungsmaske tragen. Es sollte versucht werden, die Beatmungszeit auf den Tag zu verlegen, um die Hemmschwelle langsam abzulegen. Entspannungsübungen, die durch Bücher oder Lehrcassetten vermittelt werden, können Abhilfe schaffen.

Ein weiterer Beatmungszugang ist das Tracheostoma oder Luftröhrenschnitt.

Hierbei wird eine Kanüle in die Luftröhre gelegt, über die dann beatmet wird.

Der Luftröhrenschnitt sollte plastisch gedeckt sein, also mit einem Hautlappen überzogen sein, damit das Loch in der Luftröhre nicht so offen liegt. Dies ist vom Aussehen her ästhetischer. Hier spricht man von einem invasiven Beatmungszugang.

Eine Maßnahme die aus Sicherheitsgründen eintreten sollte, wenn nur kurze Spontanatmungsphasen (Selbstatmung) möglich sind. Die Trachotomie beeinträchtigt das Sprechvermögen und evtl. den Schluckakt. Sekret kann auf normalem Wege nicht abgehustet werden, es muß mit Hilfe eines Absaugkatheters abgesogen werden, allerdings ist eine vermehrt auftretende Sekretmenge bei Infekten leichter zu entfernen.

Viele Betroffen entscheiden sich trotz des erhöhten Risikos in diesem Stadium der verkürzten Spontanatmung noch für die Maskenbeatmung, zugunsten der besseren Lebensqualität. Auch wenn die Erkrankung immer weiter fortschreitet, entscheidet der Betroffene selbst, welche Behandlung er fortsetzen möchte. Die Beatmung über ein Tracheostoma soll aber immer wieder angesprochen werden, besonders bei Betroffenen, die sich im Verlauf der fortschreitenden Muskelschwäche immer wieder verschlucken.

Die Heimbeatmung kann unabhängig von der Beatmungsform oder dem Beatmungszugang intermittierend, das bedeutet zeitweise, z.B. 8 – 10stündig in der Nacht oder am Tage durchgeführt werden. Diese Behandlungsform kann zur völligen Beschwerdefreiheit führen und sogar die Arbeitsfähigkeit erhalten, da die Atemmuskulatur sich genügend .erholen kann.

Bei besonders schweren Krankheitsverlauf kann eine dauernde Beatmung nötig werden, die aber auch zu Hause durchgeführt wird.

9. Wie hoch ist der Pflegeaufwand bei der Heimbeatmung?

Die Hauptlast der Pflege des Betroffenen wird neben den Angehörigen von einem ambulanten Pflegedienst übernommen.

Der Behandlungsumfang bei Heimbeatmeten ist unterschiedlich hoch und nicht allein von der Grunderkrankung abhängig. Der zeitliche Bedarf kann zwischen null und 24 Stunden täglich liegen. Eine Pflege von Beatmeten ist nicht von der Grundpflege zu trennen, sie ist meist über 24 Stunden verteilt immer wieder zu leisten.

Der Behandlungsumfang ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

die Art der Beatmung, über die Maske oder übers Tracheostoma

2. Beatmungsumfang, ob Teil- oder Vollzeitbeatmung

Der Umfang kann in 4 Kategorien eingeteilt werden

I: Stabilität bei Selbstatmung(Spontanatmung) über mehrere Tage oder Wochen

II: Stabil bei Spontanatmung über 6 – 48 Stunden

III: Stabil bei Spontanatmung nur bis zu 6 Stunden

IV: fast dauernde Beatmung nötig,da Spontanatmung nur bis 2 Stunden möglich

3. der Grad der allgemeinen Pflegebedürftigkeit des Betroffenen ( wieweit ist er eingeschränkt und inmobil

4. Ist eine Anwesenheitspflicht der Fachpflegekraft erforderlich,z.B. Absauge,

dies ist auch abhängig davon, was der Betroffene an Handlungen noch selbst durchführen kann:

Ist er in der Lage, den Batmungszugang, also Maske und Schläuche selbst an- oder ablegen

Kann er selbst absaugen

Kann er das Gerät selbst an – oder abstellen

Die Gerätewartung und die Handhabung des Beatmungssystems ist allein möglich

Besteht die Möglichkeit die Pflegeperson selbst zu rufen

Die Spontanatmung ist bis zu einem tolerablen Mindestzeitraum ausreichend

Wie ist die gesundheitliche Stabilität und wie hoch die zu erwartenden Komplikationen

Aus diesen Kategorien kann man die Anwesenheitspflicht einer Fachkraft aufstellen

Eine stabile Spontanatmung über Tage ist möglich, ebenso das selbstständige Anlegen des Beatmungszuganges, hier muß keine Pflegekraft bereit sein.

Spontanatmung 6 – 48 Stunden und alleiniges Anlegen des Zuganges erfordert eine Rufbereitschaft

Spontanatmung über mehrere Stunden aber keine selbstständige Handhabung des Beatmungszuganges und die Spontanatmung unter 6 Stunden, erfordert die Anwesenheit einer Pflegeperson

Bereitschaftsgründe die jederzeit eine Anwesenheit der Pflegeperson erfordern können sind folgende: Absaugen, Verschlucken Schlauchdefekte, Maschinendefekte, Undichtigkeiten, verstopfte Atemwege, und besonders die Verschlechterung des Gesundheitszustandes bei Infekten

Den Umfang und den Inhalt der Pflege bestimmt allein der behandelnde Arzt aus dem Beatmungszentrum.

Werden die oben genannten Pflegehandlungen nicht unternommen, wird der Beatmungspflichtige in einen akuten Zustand der Verschlechterung kommen, der zu einer lebensbedrohlichen Situation führen kann und dann unverzüglich zu einer intensivmedizinischen Behandlung führt. Diese Möglichkeit der Verschlechterung und der Gefahr, soll den Kostenträgern klar und deutlich gemacht werden, wenn wieder die Fragen der Finanzierung im Raume steht.

Pflegemaßnahmen im Rahmen der Beatmungspflege sind lebenserhaltende Maßnahmen, die weit über die übliche Krankenversorgung hinausgehen.

10. Qualifikation der Pflegenden

( aus: www.dgm.org/muskelk/report/4-98/quali.hmtl )

Immer wieder führt die berufliche Qualifikation von Pflegekräften, die bei langzeitbeatmeten Patienten eingesetzt werden zu Diskussionen. Wer darf, soll, kann oder muß pflegen? Es wird von verschiedenen Rahmenbedingungen ausgegangen: Welche Beatmungsabhängigkeit besteht, welcher medizinische Anspruch ist gegeben, was ist aus sozialer Sicht zu beachten und welcher medizinische Hintergrund ist vorhanden. Was ist finanzierbar? Geht medizinische Sicherheit vor Lebensqualität oder umgekehrt?

In der Anfangsphase werden viele Fragen und Unsicherheiten auftreten, die sowohl dem Betroffenen und den Angehörigen wichtig sind.

Diese Fragen kann dann nur eine fachqualifizierte Pflegeperson beantworten.

Es wäre wünschenswert, wenn fachkompetente Pflege für die Betreuung eines beatmeten Patienten da ist. Aus wirtschaftlicher Sicht, ist dies über einen längeren Zeitraum aber kaum möglich. Trotz aller dagegen sprechenden Gründe, daß eine fachgerechte Pflege nicht an finanziellen Mitteln scheitern darf. Hier treffen wieder Theorie und Praxis aufeinander.

Alle Aufgaben in der Pflege des Betroffenen können an angelernte Kräfte,

z. B. Angehörige, angelernte Pflegekräfte und an Zivildienstleistende übertragen werden, wenn sich das Beatmungszentum von deren Eignung zur Pflege überzeugt hat.

Verantwortlich und in Rufbereitschaft oder in Anwesenheitspflicht ist aber immer eine examinierte Fachpflegekraft, die über ausreichende Erfahrung in der Pflege mit beatmeten Patienten verfügt.

Diese Fachkraft übernimmt die Geräteüberwachung, Maskenanpassung und die pflegerische Betreuung und Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen.

Nach Abschluß der Eingewöhnungsphase, die mindestens 3 Monate dauern soll, führt die Pflegefachkraft 1-2 x wöchentlich einen Hausbesuch zur fachlichen Unterstützung.durch.

Bei Risikopatienten, erkälteten Betroffenen oder auftretenden Unsicherheiten ist sie oder eine Vertretung aber stets in Bereitschaft.

Es sollte weiter darüber nachgedacht werden, in wie fern eingesetztes Personal die Lebensqualität des Betroffenen fördern kann und ob sie nicht evtl. die Familie daran hindert, im Rahmen ihrer Möglichkeit zu leben. Es gibt sicher Situationen, in der die Dominanz der Pflege die Familie in ihrer Lebensqualität einschränkt.

Um über die Frage derQualifikation noch etwas nachzudenken, habe ich im Anhang 3 Beispiele von tracheotomierten langzeitbeatmeten Betroffenen zugefügt.
( entnommen aus: www.dgm.org/muskelk/report/4-98/quali.html )

11. Hausärztliche Versorgung eines Beatmeten:

Nur ein Arzt, der eine nachgewiesenen Fortbildung in einem Beatmungszentrum absolviert hat, oder ein Facharzt für Lungenkrankheiten darf die häusliche Versorgung übernehmen. Er muß über Erfahrung in den Bereichen, Beatmungstechnik und Notfallmedizin verfügen.

In der Anfangszeit der Therapie, sollen mehrere Hausbesuche erfolgen, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Er soll ausreichend Hilfestellung geben.und mit den Betroffenen und den Angehörigen abklären, wie weit im Endstadium der Erkrankung, medizinische Maßnahmen in Krisen oder Notfallsituationen ausgedehnt werden sollen.

In den ersten 3 Monaten muß 1x wöchentlich eine Kontrolle der Blutwerte, des Blutdrucks sowie der Atemfrequenz und der Herzfrequenz erfolgen. Danach sind Kontrollen alle 3 Monate ausreichend, wenn keine Verschlechterung der Werte oder des Allgemeinbefindens auftreten.

Es sollen aber keine festgemachten Termine wichtig sein, sondern es soll immer wieder die Möglichkeit bestehen, auch bei Unsicherheiten oder bei psychischer Überbelastung des Betroffenen oder deren Angehöriger den Hausarzt einzuschalten.

Im Endstadium einer fortschreitenden Erkrankung, z.B. muskulären Erkrankungen ohne Erwartung an eine Besserung, soll er auf Wunsch des Betroffenen zur Beendigung der Beatmungstherapie Rücksicht nehmen.

Er muß die Ernsthaftigkeit des Wunsches abwägen können und auch bereit sein, durch Medikamente die Atemnot, beim Entfernen des Beatmungsgerätes zu nehmen.

Die Rchtssprechung mißt in so einem Fall dem Patientenwillen die höchste Bedeutung zu. (s.a. LG Ravensburg, Urteil vom 3.12.1986, AZ 3 KIS 31/86 )

Hier hat der Betroffene alle weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen abgelehnt und um die Beendigung der Therapie gebeten. Dies wurde ihm zugestanden und der Arzt wurde aufgefordert, alle notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung eines qualvollen Erstickungstodes zu treffen (Borasio, Voltz 1994, Müller, Schöch 1994).

Eine gesetzliche Regelung steht noch aus. Eine Patientenverfügung, die der Betroffene mit seinen Angehörigen erstellt ist hierbei eine große Hilfe. (Ein Musterexemplar ist im Anhang beigefügt.)

12. Anforderung an den Gerätehersteller

Die Einweisung der Geräte für alle Helfer, die an der Pflege beteiligt sind,

wird vom Medizintechniker durchgeführt.

Ein Rund – um- die Uhr Service ist vom Kundendienst des Beatmungsgerätehersteller sicherzustellen.

Technische Hilfe soll innerhalb von 2 Stunden verfügbar sein.

Mindestens alle 3 Monate sind die Funktion aller am Heimbeatmungsplatz vorhandenen Geräte zu überprüfen.

Eine Generalüberholung der Geräte erfolgt alle ½ Jahr.

Die Telefonnummer des Kundenservice soll gut lesbar am Beatmungsgerät angebracht sein.

Nach Kontrollen oder Problembeseitigung ist der zuständige Heimbeatmungskoordinator schriftlich über die ausgeführten Maßnahmen zu informieren.

13. Finanzierungsmöglichkeiten der häuslichen Beatmungspflege

Vor der Entlassung eines beatmeten Patienten in die häusliche Umgebung muß die Frage nach der Finanzierung abschließend geklärt sein.

Die Höhe der monatlichen Kosten ist von der individuellen Pflegesituation abhängig.

Zur Verhinderung von Problemen bei der Finanzierung der Pflege häuslicher Beatmeter ist es erforderlich, daß bereits in der ärztlichen Verordnung der Umfang, also der zeitliche Rahmen, sowie die Notwendigkeit des Einsatzes von qualifizierten Intensivpflegepersonal bis hin zum Einsatz von Laienpflegekräften, die in einem Beatmungszentrum angelernt wurden, festgestellt wird.

Die ärztlich verordnete Notwendigkeit bildet die Basis für die häusliche Pflege und deren finanziellen Rahmen. Die Pflege häuslich Beatmeter ist nicht mit den anderen Arten häuslicher Pflege vergleichbar.

Infolge der Beatmungssituation wird der Inhalt der Pflege bestimmt von Pflegehandlungen wie Absaugen, Kanülenwechsel, Nothilfe, ständiger Anwesenheitsbereitschaft ect. Die bei Schwerstpflegeabhängigen anfallende Grundpflege tritt gegenüber der Beatmungspflege in den Hintergrund.

Daher hat die erforderliche Finanzierung von den Krankenkassen zu erfolgen.

Die rechtliche Grundlage dieser Aussage bezieht sich auf die Krankenhausersatzpflege in dem Sozialgesetzbuch SGB V § 37 Absatz

Versicherte erhalten in Ihrem Haushalt neben der ärztlichen Behandlung häusliche Krankenpflege durch geeignete Pflegekräfte, wenn Krankenhausbehandlung geboten, aber nicht durchführbar ist ,oder wenn sie durch häusliche Pflege vermieden oder verkürzt wird. Dies umfaßt die Grund – sowie die Behandlungspflege

Versicherte erhalten als häusliche Pflege Behandlungspflege, wenn sie der Sicherung der Zielerreichung der ärztlichen Behandlung dient. Die Satzung kann bestimmen, daß die Krankenkasse zusätzlich zur Behandlungspflege nach Satz 1 als häusliche Krankenpflege auch Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung erbringt. Sie kann auch Dauer und Umfang der Versorgung nach Satz 2 bestimmen

Der Anspruch auf häusliche Krankenpflege besteht nur, wenn eine im Haushalt mitlebende Person die Pflege im erforderlichen Umfang nicht übernehmen kann.

Kann die Krankenkasse keine Kraft für die häusliche Krankenpflege stellen oder besteht Grund, davon abzusehen, sind dem Versicherten die Kosten für eine selbstbeschaffte Kraft in angemessener Höhe zu erstatten.

Privatversicherte Betroffene können sich leider nicht auf diese Vorschrift berufen, da dies nur für gesetzlich Versicherte zutrifft. Es gibt aber oft vergleichbare Vorschriften in den Versicherungsverträgen .Ansonsten sollte der Privatversicherte einfach einen Kostenvergleich zwischen Krankenhaus Intensivstation und häuslicher Pflege aufstellen und den Versicherungen vorlegen. Meist führt dies schon zu Sondervereinbarungen.

Pflegehandlungen im Bereich der Beatmungspflege sind lebenserhaltende Maßnahmen, denn wenn diese nicht durchgeführt werden, wird der Beatmungspflichtige in den Zustand der plötzlichen Ateminsuffizienz kommen und die würde eine sofortige intensivmedizinische Behandlung nötig machen.

Die Krankenhausersatzpflege ist zwar auf 4 Wochen begrenzt, wird aber bei Notwendigkeit (ärztliche Verordnung aus dem Beatmungszentrum) länger gewährt. Es handelt sich bei einer Beatmungspflicht ja um eine auf Dauer angelegte Krankheit.

Alle Pflegehandlungen die anfallen müssen finanziert werden: Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung und die untrennbar verknüpften Pflegehandlungen der Beatmungspflege.

Keine Rechtsgrundlagen sind:

§§ 68/69 BSHG (Sozialamt), denn der medizinische Aspekt der Pflege überwiegt bei weitem der Grundpflege und dies ist vorrangig.

§§ 53ff SGBV : (Kostenträger Krankenkasse) denn die Pflegehilfe ist eine „gedeckelte" Leistung, die weder vom Umfang her zur Kostendeckung ausreicht noch den über die Grundpflege hinausgehenden Aspekt berücksichtigt.

Pflegeversicherung: (Pflegekasse), die Pflegeversicherung zielt ausschließlich auf gewöhnliche und wiederkehrende Leistungen im Ablauf des täglichen ab, meint somit also keine lebenserhaltenden Maßnahmen. Sie grenzt daher bewußt die Leistungen der Krankenkasse im Rahmen der Krankenhausersatzpflege aus.

Der Vorteil für Beatmete:

Ein Kampf um die Finanzierung der Pflege ist nicht nötig. Die Krankenkasse ist alleiniger Ansprechpartner und hat die Kosten zu tragen, die notwendiger Weise anfallen.

Die Kosten bei einer 24 Stunden Pflege eines Beatmeten liegen bei 12000 bis 20000,-DM. Diese Kosten widersprechen aber nicht dem Gebot der Wirtschaftlichkeit, da die Kosten einer Intensivmedizinischen Behandlung im Krankenhaus pro Tag ca. 700,-DM betragen und somit deutlich höher liegen.

Weiterhin ist die häusliche Pflege vor der stationären Pflege, also Heimpflege ein anerkannter politischer Wille.

Heime lehnen zudem meist die Aufnahme eines solchen Risikopatienten ab, da sie nicht über das qualifizierte Fachpflegepersonal verfügen.

Die Pflege zu Hause entspricht, wenn sie der Wille des Betroffenen ist, den humanitären Grundsätzen (§70 SGB V )

Unterbringung im Krankenhaus ist nur auf kurze Dauer, z.B. Kontrolle oder Akutfall festgelegt.

Es ist nicht einsehbar, warum im Falle einer Beatmung anders verfahren werden soll, als im Fall einer langanhaltenden, kostenintensiven Erkrankung wie z.B. der Bluterkrankheit.

Beatmung ist keine Ursachentherapie, so daß aus der Sicht der Krankenkasse eine Endlichkeit der hohen Kosten gegeben ist.

Die Höhe der Kosten ist abhängig von den beschäftigten Pflegepersonen. Ausschlaggebend für die Qualifikation des Pflegepersonales ist die Art und der Umfang der Beatmung, sowie der gesundheitliche Zustand des Betroffenen. Dies muß der Arzt entscheiden.

Wenn die Laienpfleger/Familienangehörige in einem Beatmungszentrum eingewiesen wurden und sich dies auch haben bescheinigen lassen, dann wird auch der Qualitätsanforderung der Krankenkasse an das Pflegepersonal Genüge getragen. ( Eine Musterbescheinigung ist im Anhang zu finden.)

Sollte es trotz der oben genannten Argumentationshilfen Schwierigkeiten bei der Finanzierung geben, habe ich im Anhang Adressen beigefügt, an die man sich wenden kann und wo deren Mitarbeiter gerne weiterhelfen.

Zusammenfassung

Die Heimbeatmung stellt sowohl für den Betroffenen als auch für seinen Angehörigen, die Ärzte und Pflegekräfte eine große Herausforderung dar

Damit das Leben in den eigenen vier Wänden gelingt, muß der Betroffene und auch sein Angehöriger sich über die Verantwortung füreinander im Klaren sein.

Während ich diese Arbeit schrieb, habe ich viele Berichte von Betroffenen gelesen und bin umso mehr davon überzeugt, daß jeder Langzeitbeatmete die Möglichkeit erhalten soll, in die häusliche Umgebung entlassen zu werden.

Es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn sich die Krankenkassen etwas engagierter zeigen würden und nicht viele Anfragen bezüglich der Kostenübernahme schon gleich vom Tisch fegen würden. Für die Kassen hieße es doch, einen Betroffenen schon für 50% der Kosten die Möglichkeit zu bieten, in seiner vertrauten und menschenwürdigen Umgebung zu leben. In einer guten Lebensqualität mit seinen Angehörigen, ohne das enorm hohe Risiko von nosokomialen Infektionen versorgt zu werden.

Es sollte öfter im Sinne dieser Lebensqualität des Betroffenen und nicht zuletzt auch unter dem Aspekt der Kostendämpfung darüber nachgedacht werden, ob Krankenpflege immer gleichbedeutend mit Krankenhausaufenthalt ist oder nicht doch öfter zu Hause stattfinden könnte.

Ich möchte versuchen einen Arbeitskreis für Heim – und Langzeitbeatmete auch im Norden zu gründen.

Weiter hoffe ich, mit dieser Arbeit allen Betroffenen und den Angehörigen eine Entscheidung zu einer Heimbeatmung zu erleichtern.

Gesa Lorenzen, Februar 2000

Literaturnachweis

Dr. Martin Winterholler Empfehlungen der bayerischen Muskelzentren zu häuslicher Beatmung, .in: Med. Klinik 91 (1996) S.45-47

  • ( 2000 ) aus : InternetSeite www.dgm.org/muskelk/report/4-98/quali.html

  •  

    Anhang

    verschiedene Masken und Trachealkanülen

    Beispiele zur Qualifikation des Pflegepersonals

    drei Varianten für Anträge zur Übernahme der Pflegekosten

    zwei ärztliche Verordnung der Krankenhausersatzpflege § 37 Abs.1

    Bescheinigung über Einweisung der Pflegeperson in die Beatmung

    Beispiel einer Patientenverfügung

    Atemzentren für Erwachsene und Kinder

    Beratung in Rechtsfragen

    Zu Qualifikation Pflegekräfte 3 praxisnahe Beispiele:

    Patient A. ist 14 Jahre alt, geht zur Schule und gestaltet seine Freizeit im Rahmen seiner Möglichkeiten wie andere gesunde Kinder seines Alters.Die Mutter ist in alle pflegerischen Tätigkeiten eingewiesen und beherrscht diese und ist jederzeit im Hintergrund ansprechbar. Der Junge wird täglich über 24 Stunden von angelernten Kräften versorgt.Die angelernten Kräfte sind auch in der Lage, mit dem Beatmungsgerät umzugehen, abzusaugen und im Notfall die Trachealkanüle zu wechseln. Diese Laienhelfer sind zumeist junge Männer mit mehr oder weniger pflegerischen Vorkenntnissen. Einmal täglich kommt eine examinierte Pflegefachkraft mit beatmungsmedizinischer Erfahrung. Sie begutachtet die Beatmungssituation und steht für Fragen zur Verfügung.

    Bei diesem Jungen, steht die Lebensqualität im Vordergrund, er wird hauptsächlich von jungen Laienkräften versorgt. Würde hier eine Versorgung nur durch Fachpflegekräfte verschiedenen Alters stattfinden, wäre es fraglich, ob die Möglichkeit bestünde, auf Grund von Ausgelassenheit und Spontanität auch mal auf die optimale Sicherheit zu verzichten.

    Mit den jungen Männern hat er adäquate Begleiter, die seinen Unsinn mit tragen und auch auffangen, sie sind Spielkamaraden und gute Gesprächspartner in der Pubertät. Hier bleibt die medizinische Qualität bestimmt mal auf der Strecke.

    Patient B. ist vier Jahre alt. Auf Grund von häufigen Infektionen und durch die Grunderkrankung bedingte Vorkommnisse kommt es in der Pflege häufig zu Notfallsituationen. Die Überwachung der kleinen Patientin ist vielseitig und muß engmaschig durchgeführ werden. Auch hier ist die Mutter adäquat eingearbeitet. Die Pflege wird über 16 Stunden täglich durch examinierte Krankenschwestern, ohne Intensivausbildung, jedoch in der Beatmungspflege angelernt, übernommen. Die verbleibenden 8 Stunden werden ohne finanziellen Ausgleich von der alleinerziehenden Mutter geleistet.

    Hier sieht man, daß trotz aller dagegen sprechenden Gründe, daß eine adäquate Pflege nicht an finanziellen Mitteln scheitern darf, es in der Praxis anders ist. Stundenreduzierung, Rücknahmen von Finanzierungszusagen und Verrechnung des Pflegegeldes sind von seiten der Kostenträger nicht selten. Die Finanzierung einer Vollzeitbeatmungspflege mit einem rein examiniertem Team wird immer seltener, auch wenn die spezielle Situation des Patienten dies erfordert.

    Patient C. 56 Jahre alt wird über 24 Stunden am Tag von seiner Ehefrau und für acht Std. täglich an 5 Tagen in der Woche von einem Zivildienstleistenden betreut. Am Morgen und Abend wird die Ehefrau bei der Grundpflege ihres Mannes durch eine Pflegehelferin unterstüzt. Eine Intensiv- Fachpflegekraft kommt zwei mal in der Woche für ca. eine Stunde zur fachlichen Unterstützung. Obwohl der Arbeitsaufwand für die Ehefrau sehr groß ist, möchte das Paar keine weiteren „fremden" Personen zur Hilfe im Haus haben, um ihre Privatsphäre zu schützen.

    Nützliche Adressen bei Problemen der Finanzierung

    Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

    Im Moos 4

    79112 Freiburg

     

    Christa Fürst

    An der Kuhtränke 7

    55543 Bad Kreuznach

    Tel. 0671/ 8960433

     

    Erklärung:

    Ich versichere hiermit, daß ich die vorliegende Abschlußarbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe.

    Wörtliche Zitate oder dem Sinn nach aus Quellen entnommene Stellen sind als solche gekennzeichnet.

    Börm, den 15.Februar 2000

    Einverständniserklärung:

    Mit einer eventuellen späteren Verwendung meiner Arbeit für Zwecke der wissenschaftlichen Auswertung bin ich einverstanden.

    Börm, den 15. Februar 2000

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